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jiǎogǔlán
jiǎogǔlán · 绞股蓝
Jiaogulan (绞股蓝, jiǎogǔlán), botanisch Gynostemma pentaphyllum, ist eine mehrjährige krautige Kletterpflanze aus der Familie der Kürbisgewächse, aus deren Blättern und jungen Trieben in China ein bit
Jiaogulan (绞股蓝, jiǎogǔlán), botanisch Gynostemma pentaphyllum, ist eine mehrjährige krautige Kletterpflanze aus der Familie der Kürbisgewächse, aus deren Blättern und jungen Trieben in China ein bittersüßer Aufguss von bernstein-grüner Farbe zubereitet wird. Obwohl dieses Getränk im alltäglichen Sprachgebrauch – sowohl im Russischen als auch im Chinesischen – häufig als „Tee“ bezeichnet wird, ist es im botanischen Sinne kein Tee: Das Rohmaterial enthält keine Blätter des Teestrauchs Camellia sinensis, daher wird es in der chinesischen Getränkeklassifikation als Teeersatz (代用茶, dàiyòng chá), also als pflanzlicher Aufguss, geführt. Das Hauptanbaugebiet für kultiviertes Handelsrohmaterial ist der Kreis Pingli (平利, Pínglì) in der Provinz Shaanxi sowie die Bergregionen von Yunnan und Guangxi. Im täglichen Gebrauch wird Jiaogulan als erfrischendes und „leichtes“ Alltagsgetränk getrunken, und aufgrund seines charakteristischen Saponingehalts erhielt die Pflanze den volkstümlichen Beinamen „südlicher Ginseng“ (南方人参, nánfāng rénshēn). Der Aufguss ist an einer leichten Bitterkeit zu erkennen, die rasch in eine deutliche wiederkehrende Süße (回甘, huígān) übergeht.
1. Klassifikation und Herkunft:
- Typ: Teeersatz, pflanzlicher Aufguss (代用茶, dàiyòng chá); botanisch – kein Tee
- Botanischer Name: Gynostemma pentaphyllum (Thunb.) Makino
- Familie: Kürbisgewächse (Cucurbitaceae)
- Rohmaterial: Blätter und junge Triebe der Kletterpflanze (kein Blatt von Camellia sinensis)
- Chinesische Bezeichnungen: 绞股蓝 (jiǎogǔlán); volkstümliche und regionale – 七叶胆 (qīyèdǎn), 五叶参 (wǔyèshēn); in Japan ist die Pflanze als Amachazuru (甘茶蔓) bekannt
- Hauptanbaugebiete: Pingli (平利, Pínglì) in Shaanxi (陕西, Shǎnxī); Yunnan (云南, Yúnnán); Guangxi (广西, Guǎngxī)
Es ist wichtig, direkt zu sagen: Jiaogulan enthält keine Teeblätter. Es gehört zu einer eigenständigen Gattung chinesischer Kräutergetränke – 代用茶 (dàiyòng chá), „Ersatztees“, die wie Tee aufgebrüht und getrunken werden, aber aus anderen Pflanzen gewonnen werden. Diese Stellung macht Jiaogulan nicht zu einem „Surrogat“: Es besitzt eine eigene jahrhundertealte Konsumgeschichte, ein eigenes Terroir, eine eigene Trocknungstechnologie und eine eigene Zubereitungskultur. Der volkstümliche Name „südlicher Ginseng“ spiegelt lediglich wider, dass in der Pflanze Saponine gefunden wurden, die mit denen des Ginsengs verwandt sind, und stellt keine medizinische Charakterisierung dar.
2. Geschichte und kulturelle Bedeutung:
- Erste Erwähnung: das Traktat „Kräuterbuch zur Rettung vor Hunger“ (救荒本草, Jiùhuāng Běncǎo), zusammengestellt von Prinz Zhu Su (朱橚, Zhū Sù) und veröffentlicht im Jahr 1406
- Ursprüngliche Rolle: wildwachsende Nahrungspflanze „für Hungerjahre“
- Neues Interesse: zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts, nach der Isolierung von Saponinen
Im mingzeitlichen Kräuterbuch 救荒本草 wird die Pflanze vor allem als essbar beschrieben, geeignet zur Ernährung in Misserntejahren – das heißt, ursprünglich wurde Jiaogulan als wildes Gemüse wahrgenommen und nicht als Heilmittel. Ein anhaltendes Interesse daran als Getränk entstand in den 1970er- und 1980er-Jahren, als japanische und später chinesische Forscher aus den Blättern Triterpensaponine (Gypenoside) isolierten und entdeckten, dass ein Teil davon strukturell mit den Ginsenosiden des echten Ginsengs übereinstimmt. Genau damals erhielt die Pflanze den Beinamen „südlicher Ginseng“, und in China begann der industrielle Anbau und die Produktion von abgepacktem Getränk (保健茶, bǎojiàn chá – „Gesundheitstee“ im alltagssprachlichen Sinne).
3. Botanische Beschreibung und Rohmaterial:
- Lebensform: kletternde krautige Kletterpflanze mit Ranken
- Blätter: handförmig zusammengesetzt, meist aus 5 Blättchen (seltener 3, 7 oder 9); der Artname pentaphyllum bedeutet „fünfblättrig“
- Blüten: klein, grünlich-weiß; die Pflanze ist zweihäusig
- Früchte: kleine kugelige dunkle Beeren
- Rohmaterial, Sorte 1: 龙须 (lóngxū, „Drachenbart“) – die jüngsten Triebspitzen mit Ranken und unentfalteten Blättern
- Rohmaterial, Sorte 2: gewöhnliches Blatt – ausgewachsene Blattspreiten von den Trieben
Das Handelsrohmaterial wird üblicherweise in zwei Kategorien unterteilt. „Drachenbart“ (龙须, lóngxū) – das sind feine, zarte Triebspitzen mit Ranken, die wertvollste und teuerste Sortierung: Der Aufguss daraus ist weicher, süßer und nahezu frei von grober Bitterkeit. Gewöhnliches Blatt ergibt einen dichteren, volleren und merklich bittereren Aufguss; es ist billiger und geht in die Massenverpackung. Vom Anteil der jungen Triebe in der Mischung hängen sowohl Geschmack als auch Preis unmittelbar ab.
4. Terroir und Anbaubesonderheiten:
- Referenzgebiet: Kreis Pingli (平利, Pínglì) im städtischen Bezirk Ankang (安康, Ānkāng), Provinz Shaanxi – Vorgebirge des Daba-Gebirges (大巴山, Dàbā Shān)
- Weitere Gebiete: Berge von Yunnan und Guangxi, wo die Kletterpflanze auch wild vorkommt
- Bedingungen: warmes, feuchtes Klima, Streulicht und Halbschatten, lockere, durchlässige Böden
- Gewinnungsform: sowohl kultiviert (Plantagen) als auch wildwachsendes Rohmaterial
Pingli liegt im Süden von Shaanxi, im subtropischen Vorgebirgsgürtel des Daba-Gebirges mit mildem, feuchtem Wetter und häufigen Nebeln – solche Bedingungen sind günstig für die Akkumulation von Saponinen. Der Kreis positioniert sich selbst als „Heimat des Jiaogulan“ (绞股蓝之乡, jiǎogǔlán zhī xiāng) und ist ein Zentrum der Branchenzüchtung und -verarbeitung. In Yunnan und Guangxi sind sowohl Kulturpflanzungen als auch Wildpopulationen verbreitet; die Pflanze kommt generell weitläufig in den warmen Teilen Ost- und Südostasiens vor.
5. Produktionstechnologie:
- Ernte: junge Triebe und Blätter in der warmen Jahreszeit
- Welken: 摊晾 (tānliàng) – Auslegen und leichtes Antrocknen des Rohmaterials
- Fixierung des Grüns: 杀青 (shāqīng) – Erhitzen zum Stoppen der Enzyme
- Rollen: 揉捻 (róuniǎn) – Formung des Blattes und Freisetzung der Säfte
- Trocknung: bis zu stabiler niedriger Feuchtigkeit
Die gängigste Verarbeitung von Jiaogulan ähnelt technologisch der Produktion von grünem Tee: Das Rohmaterial wird gewelkt, das „Grün“ durch Erhitzen (杀青) „getötet“, gerollt (揉捻) und endgetrocknet. Dank der Enzymfixierung behält das Blatt seine grüne Farbe und oxidiert nicht, und das Rollen verleiht ihm die charakteristische gedrehte Form und macht den Aufguss extraktiver. Ein Teil der Produktion (insbesondere häusliche) wird einfach im Schatten getrocknet, ohne Rollen – solche Blätter sind heller und ergeben einen kräuterartigeren Aufguss. Gesondert wird der „Drachenbart“ (龙须) sortiert – er wird schonender geerntet und getrocknet, um Zartheit und Süße zu bewahren.
6. Organoleptische Eigenschaften:
- Aussehen: gedrehte dunkelgrüne Blättchen und feine Spitzen-Ranken
- Aroma des trockenen Rohmaterials: kräuterig-bohnig, mit einer leichten süßlichen Note
- Geschmack: zuerst eine spürbare Bitterkeit, dann eine reine wiederkehrende Süße (回甘)
- Aufguss: von blassgrün bis goldgrünlich, transparent
Die Schlüsseleigenschaft von Jiaogulan ist der Kontrast zwischen bitter und süß. Der erste Schluck ist merklich bitter, aber die Bitterkeit vergeht schnell und hinterlässt einen langen, süßlichen Nachgeschmack (回甘, huígān), für den das Getränk geschätzt wird. Beim „Drachenbart“ ist die Balance zur Süße hin verschoben, beim groben Blatt zur Bitterkeit. Überziehung des Rohmaterials im kochenden Wasser verstärkt die Bitterkeit, daher wird die Stärke durch die Ziehzeit reguliert.
7. Chemische Zusammensetzung:
- Saponine (Gypenoside): Triterpensaponine vom Damaran-Typ (绞股蓝皂苷, jiǎogǔlán zàogān); ein Teil davon ist strukturell identisch mit Ginsenosiden des Ginsengs
- Flavonoide: zum Beispiel Rutin und verwandte Verbindungen
- Polysaccharide
- Sonstiges: Aminosäuren, Vitamine, Makro- und Spurenelemente
Der wichtigste chemische „Marker“ der Pflanze sind die Gypenoside, ein Komplex von Triterpensaponinen; gerade ihre strukturelle Ähnlichkeit mit Ginsenosiden gab Anlass zum Vergleich mit Ginseng. Neben Saponinen sind in den Blättern Flavonoide, Polysaccharide, freie Aminosäuren und Mineralstoffe enthalten. Die genaue Zusammensetzung und der Saponinanteil hängen von Art und Chemotyp der Pflanze, dem Anbaugebiet und dem Triebteil ab: In der Regel sind zarte Spitzen und Blätter reicher an wertvollen Fraktionen als verholzte Teile.
8. Wohltuende Eigenschaften:
- Wie es im Alltag gesehen wird: Jiaogulan wird in China als allgemein stärkendes, „tonisierendes“ und erfrischendes Alltagsgetränk getrunken; die volkstümliche Tradition rückt es in die Nähe von Ginseng
- Was die Wissenschaft untersucht: Gypenoside und Extrakte von Gynostemma werden in Labor- und klinischen Arbeiten erforscht, jedoch werden dadurch für den alltäglichen Aufguss keine stabilen, eindeutig nachgewiesenen Heilwirkungen festgestellt
- Status: Lebensmittelprodukt (Getränk) und kein Arzneimittel
Es muss klar festgehalten werden: Jiaogulan ist ein Lebensmittelgetränk, und es dürfen keinerlei Heilversprechungen gemacht werden. Dass die Pflanze ginsengähnliche Saponine enthält, macht den Aufguss an sich noch nicht zu einem Arzneimittel, und gesundheitsbezogene Behauptungen im Einzelhandel gehen über den Rahmen eines enzyklopädischen Artikels hinaus. Von den allgemein bekannten Vorsichtsmaßnahmen sind neutral zu nennen: Mäßigung in der Menge; Vorsicht bei Schwangerschaft und Stillzeit (ungenügende Datenlage); und Aufmerksamkeit für diejenigen, die dauerhaft Medikamente einnehmen – in solchen Fällen ist es angebracht, den Konsum mit einem Arzt zu besprechen. Dies ist eine Aufzählung von Vorsichtsmaßnahmen und keine Empfehlung oder Dosierung.
9. Zubereitung:
- Verhältnis: etwa 3–5 g trockenes Rohmaterial auf 300–500 ml Wasser (für „Drachenbart“ – eher an der unteren Grenze)
- Temperatur: 85–95 °C; grobes Blatt verträgt auch Wasser nahe dem Siedepunkt, zarte Spitzen sollten besser mit etwas abgekühltem Wasser übergossen werden
- Gefäß: Glasbecher oder -kanne, Gaiwan, Thermoskanne
- Zeit: erster Aufguss 1–3 Minuten, danach nach Geschmack
- Aufgüsse: verträgt mehrere Aufgüsse; kräftiges bitteres Rohmaterial besser kürzer und öfter aufgießen
- Kalte Zubereitung: Kaltaufguss ist möglich (mehrere Stunden in kaltem Wasser) – der Aufguss wird weicher und süßer, nahezu ohne Bitterkeit
In der Praxis ist es bequem, Jiaogulan direkt im Glasbecher oder in der Thermoskanne zuzubereiten: Eine Handvoll Rohmaterial wird mit heißem Wasser übergossen, und dieses wird nach Bedarf nachgegossen. Um die Bitterkeit zu mildern, verwendet man weniger heißes Wasser und eine kurze Kontaktzeit oder geht zum Kaltaufguss über. Im Sommer ist das gekühlte Servieren beliebt: Ein Aufguss aus „Drachenbart“, mit kaltem Wasser angesetzt und gekühlt, wird süßlich und erfrischend.
10. Aufbewahrung:
- Bedingungen: trockener, kühler, dunkler Ort, fern von Fremdgerüchen
- Behälter: dicht verschlossene, lichtundurchlässige Verpackung
- Feinde des Rohmaterials: Feuchtigkeit, Licht, Wärme, fremde Gerüche
Das trockene Jiaogulan-Blatt ist hygroskopisch und nimmt leicht Feuchtigkeit und Gerüche auf, daher wird es in einem luftdichten Behälter aufbewahrt. Bei Feuchtigkeitsaufnahme verliert das Rohmaterial Aroma und grünliche Farbe und nimmt muffige Töne an. Wie die meisten getrockneten Kräutermischungen sollte Jiaogulan besser relativ frisch konsumiert werden – mit der Zeit schwächen sich Aroma und die charakteristische Süße des Nachgeschmacks ab.
11. Preis und Fälschungen:
- Großhandelsrichtwert: gewöhnliches Blatt – in der Größenordnung von 80 ¥/kg (Richtwert, abhängig von Ernte und Sortierung)
- Premium-Sortierung: „Drachenbart“ (龙须) kostet merklich mehr als gewöhnliches Blatt
- Wie echtes Rohmaterial aussieht: gleichmäßige gedrehte dunkelgrüne Blättchen und Spitzen, reines kräuterig-süßliches Aroma, im Geschmack – Bitterkeit mit Übergang zu süßem Nachgeschmack
- Typische Unterschiebungen: Verkauf von grobem Blatt als „Drachenbart“; Beimischung fremder billiger Blätter; Ausgabe von Rohmaterial anderer Herkunft als Pingli-Ware
Der Unterschied zwischen den Sortierungen ist die Hauptquelle für Aufpreise und Tricks: Echter „Drachenbart“ besteht aus feinen, gleichmäßigen Spitzen, wohingegen unter dieser Bezeichnung häufig eine Mischung mit grobem Blatt verkauft wird. Misstrauen erregen sollten Bruchstücke fremder Pflanzen, erdiger oder muffiger Geruch sowie das völlige Fehlen der charakteristischen bitter-süßen Dynamik im Geschmack. Der angegebene Richtwert (etwa 80 ¥/kg für gewöhnliches Blatt) ist als Größenordnung auf Großhandelsebene zu verstehen und nicht als Versprechen eines Einzelhandelspreises.
12. Interessante Fakten:
- Der Artname pentaphyllum („fünfblättrig“) spiegelt das typische Blatt aus fünf Blättchen wider, obwohl es drei bis neun sein können.
- Der Kreis Pingli in Shaanxi positioniert sich offiziell als „Heimat des Jiaogulan“ (绞股蓝之乡).
- In der japanischen Tradition ist die Pflanze als Amachazuru (甘茶蔓, „Ranke des süßen Tees“) bekannt, und gerade mit der Erforschung seiner Saponine in den 1970er-Jahren begann in vieler Hinsicht das moderne Interesse an der Kultur.
- Der Beiname „südlicher Ginseng“ (南方人参) ist volkstümlich und weist lediglich auf die Verwandtschaft der Saponine hin, nicht auf eine Gleichwertigkeit mit Ginseng.
- Einer der alten chinesischen Namen, 七叶胆 (qīyèdǎn, „siebenblättrige Galle“), deutet direkt auf die Bitterkeit im Geschmack hin.
Zum Abschluss:
Jiaogulan ist ein bezeichnender Vertreter der chinesischen Gattung 代用茶 (dàiyòng chá): ein Getränk, das wie Tee zubereitet und getrunken wird, aber botanisch kein Tee ist, da es kein Blatt von Camellia sinensis enthält. Dahinter steht eine eigene Tradition – von der Erwähnung im mingzeitlichen Kräuterbuch „für Hungerjahre“ bis zu den modernen Plantagen in Pingli –, eine eigene Technologie, die der des Grüntees nahekommt, und ein wiedererkennbares Geschmacksprofil mit Bitterkeit und langer wiederkehrender Süße.
Wahrzunehmen ist es richtiger nicht als „Ersatz“ für Tee, sondern als eigenständigen Kräuteraufguss mit klarer Geografie und Rohmaterialsortierung – von zartem „Drachenbart“ bis zum gewöhnlichen Blatt. Der volkstümliche Name „südlicher Ginseng“ und die Aufmerksamkeit der Wissenschaft für Gypenoside verleihen der Pflanze zusätzliche Bekanntheit, machen das alltägliche Getränk aber nicht zu einem Arzneimittel – und genau in dieser Eigenschaft, als ruhiger, bittersüßer Aufguss für jeden Tag, nimmt Jiaogulan seinen Platz in der chinesischen Alltagskultur ein.
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